Arbeit · Berufung · Alltag

„Wenn der Alltag heilig wird — alles tun im Namen Jesu“

Frohe Botschaft Andachtskarte „Arbeit als Gottesdienst"  mit Werkbank und Bibel im Morgenlicht
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Diakon Artemio

5. Oktober 2026

„Und was immer ihr tut in Wort oder Werk, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.“ ‭‭Kolosserbrief‬ ‭3‬:‭17‬ ‭SCH2000‬‬

Viele Menschen teilen ihr Leben unbewusst in zwei Bereiche.

Da gibt es das „Geistliche“: Gebet, Gottesdienst, Bibellesen, Lobpreis.

Und daneben gibt es das „Normale“: Arbeit, Haushalt, Kinder, Termine, Rechnungen, Lernen, Einkaufen, Kochen.

Der Sonntag gehört Gott — und am Montag beginnt angeblich das eigentliche Leben.

Paulus kennt diese Trennung nicht.

Er schreibt:

„Alles, was ihr tut.“

Dieses „alles“ umfasst nicht nur die sichtbar geistlichen Momente.

Es reicht bis in das Büro, die Werkstatt, die Küche, das Klassenzimmer, den Hörsaal, das Krankenhaus, den Haushalt und den ganz gewöhnlichen Alltag hinein.

Damit beginnt unsere Woche über Arbeit und Berufung.

Und die erste Wahrheit lautet:

Gott möchte nicht nur einen Teil unseres Lebens. Christus ist Herr über das Ganze.

Arbeit begann nicht mit dem Sündenfall

Arbeit ist in der Bibel nicht grundsätzlich ein notwendiges Übel.

Schon bevor die Sünde in die Welt kam, stellte Gott den Menschen in den Garten Eden, „damit er ihn bebaue und bewahre“ (1. Mose 2,15).

Arbeit gehört deshalb ursprünglich zu Gottes guter Schöpfungsordnung.

Der Sündenfall machte Arbeit mühsam, schmerzhaft und von Dornen geprägt — aber er erschuf die Arbeit nicht.

Das ist eine wichtige Unterscheidung.

Arbeit kann anstrengend sein.

Sie kann ungerecht organisiert sein.

Sie kann enttäuschen.

Aber sinnvolle Tätigkeit, Verantwortung, Gestalten und Dienen gehören grundsätzlich zu dem Leben, das Gott dem Menschen gegeben hat.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jede konkrete Tätigkeit automatisch gut ist.

Was wir tun, muss sich an Christus messen lassen.

Denn etwas kann nur dann wirklich „im Namen des Herrn Jesus“ getan werden, wenn es mit seinem Wesen, seiner Wahrheit und seinen Geboten vereinbar ist.

Der Mönch, der Gott in der Küche suchte

Bruder Lorenz von der Auferstehung lebte im 17. Jahrhundert als Laienbruder in einem Karmelitenkloster in Paris.

Er hatte keine hohe kirchliche Stellung.

Er predigte nicht vor großen Menschenmengen.

Ein großer Teil seines Lebens bestand aus einfachen Aufgaben.

Er arbeitete viele Jahre in der Küche und später unter anderem bei der Reparatur von Sandalen.

Doch gerade in diesen unscheinbaren Tätigkeiten entwickelte sich eine geistliche Haltung, die später viele Menschen beeinflussen sollte.

Aus seinen Gesprächen und Briefen entstand das bekannte Werk Die Übung der Gegenwart Gottes.

Sein Gedanke war einfach und zugleich tief:

Gottes Gegenwart endet nicht an der Kirchentür.

Bruder Lorenz wollte Gott nicht nur in besonderen Gebetszeiten suchen.

Er wollte auch mitten in der Arbeit mit ihm leben.

Die Küche wurde dadurch nicht automatisch zu einem Gottesdienst im formalen Sinn.

Aber sie wurde zu einem Ort, an dem er Gott lieben, ihm dienen und bewusst in seiner Gegenwart leben konnte.

Das Entscheidende war nicht die Größe seiner Aufgabe.

Es war die Ausrichtung seines Herzens.

Was Paulus wirklich sagt

Kolosser 3 beschreibt das neue Leben von Menschen, die zu Christus gehören.

Paulus spricht über Barmherzigkeit, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld, Vergebung, Liebe, Frieden und Dankbarkeit.

Dann fasst er diese Lebensweise in einem einzigen umfassenden Satz zusammen:

„Alles, was ihr tut, mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus.“

Damit umfasst Paulus sowohl unser Reden als auch unser Handeln.

Die Wendung „im Namen des Herrn Jesus“ bedeutet mehr, als am Anfang einer Tätigkeit einfach den Namen Jesu auszusprechen.

Im Namen Jesu zu handeln bedeutet:

unter seiner Herrschaft, in Übereinstimmung mit seinem Wesen und als jemand zu leben, der zu ihm gehört.

Man könnte deshalb bei vielen Entscheidungen fragen:

Kann ich das wirklich im Namen Jesu tun?

Kann ich so sprechen?

Kann ich so mit einem Kollegen umgehen?

Kann ich so verkaufen?

Kann ich so führen?

Kann ich so mit Geld umgehen?

Kann ich diese Aufgabe so erledigen, dass Christus dadurch nicht verleugnet wird?

Kolosser 3,17 macht aus unserem Alltag keinen bedeutungslosen Zwischenraum.

Er stellt ihn unter die Herrschaft Jesu.

Nicht nur Erwerbsarbeit zählt

Wenn Christen über Arbeit sprechen, denken wir oft sofort an Beruf und Gehalt.

Aber das wäre zu eng.

Auch eine Mutter oder ein Vater, die Kinder versorgen, arbeiten.

Wer einen Angehörigen pflegt, arbeitet.

Wer lernt, studiert oder eine Ausbildung macht, trägt Verantwortung.

Wer den Haushalt führt, organisiert, kocht, putzt und anderen dient, tut reale Arbeit.

Viele dieser Tätigkeiten werden kaum gesehen und oft nicht bezahlt.

Doch Unsichtbarkeit bedeutet nicht Bedeutungslosigkeit.

Gott misst den Wert unseres Lebens nicht an Gehaltsabrechnungen oder gesellschaftlichem Ansehen.

Und genauso wichtig:

Auch wer gerade keine Arbeit hat, krank ist oder nicht leistungsfähig sein kann, verliert dadurch nicht seine Würde.

Unsere Identität liegt zuerst in Christus — nicht in unserer Produktivität.

Arbeiten „für den Herrn“

Nur wenige Verse später schreibt Paulus:

„Und alles, was ihr tut, das tut von Herzen, als für den Herrn und nicht für Menschen.“ (Kolosser 3,23)

Das verändert unsere Motivation.

Menschen sehen nicht jede Aufgabe.

Manche Leistung wird nicht gelobt.

Manche Arbeit bleibt unsichtbar.

Mancher Chef bedankt sich nicht.

Manche Mühe wird von anderen kaum wahrgenommen.

Doch der Christ lebt nicht ausschließlich vor menschlichen Augen.

Er lebt vor Christus.

Das bedeutet nicht, dass wir jede schlechte Arbeitsbedingung still ertragen müssen.

Es bedeutet auch nicht, dass Arbeitgeber jede Forderung mit dem Hinweis auf „christliche Pflichterfüllung“ rechtfertigen dürfen.

Es bedeutet vielmehr:

Selbst dort, wo Menschen unsere Arbeit nicht sehen, sieht Christus unser Herz.

Dankbarkeit verändert Arbeit

Paulus beendet Kolosser 3,17 nicht mit Leistung.

Er beendet den Vers mit Dank:

„… und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.“

Das ist bemerkenswert.

Christliche Arbeit soll nicht nur fleißig sein.

Sie soll auch von Dankbarkeit geprägt werden.

Das bedeutet nicht, dass wir schlechte Arbeitsbedingungen schönreden müssen.

Es bedeutet nicht, dass jeder Montag leicht sein muss.

Aber Dankbarkeit hilft uns, Arbeit nicht ausschließlich als Last, Statussymbol oder Mittel zur Selbstbestätigung zu sehen.

Wir dürfen fragen:

Welche Fähigkeiten hat Gott mir gegeben?

Welche Menschen darf ich durch meine Arbeit dienen?

Welche Möglichkeiten habe ich heute?

Wofür kann ich mitten in meinem Alltag danken?

Wie zeigt sich Jesus Christus in unserem Arbeitsalltag?

Markus 6,3 bezeichnet Jesus als tektōn.

Das griechische Wort bezeichnet einen Handwerker beziehungsweise Bauhandwerker und wird traditionell mit „Zimmermann“ übersetzt.

Jesus kannte deshalb gewöhnliche menschliche Arbeit aus eigener Erfahrung.

Bevor sein öffentlicher Dienst begann, lebte er viele Jahre in einem unscheinbaren Alltag.

Das ist bedeutsam.

Der Sohn Gottes hielt das gewöhnliche menschliche Leben nicht für unter seiner Würde.

Er wurde Mensch.

Er kannte Familie.

Er kannte Arbeit.

Er kannte Müdigkeit.

Er kannte den Alltag.

Und dann tat er das Werk, das kein Mensch für sich selbst tun konnte.

Am Kreuz rief Jesus:

„Es ist vollbracht!“

Unsere Rettung hängt deshalb nicht davon ab, wie viel wir leisten.

Wir arbeiten nicht, um uns Gottes Liebe zu verdienen.

Wir arbeiten aus einer Beziehung heraus, die Christus durch sein vollendetes Werk möglich gemacht hat.

Das schützt uns vor zwei Extremen:

vor Faulheit und vor Leistungsvergötterung.

Wir dürfen fleißig sein, ohne unseren Wert aus unserer Leistung zu beziehen.

Wir dürfen Verantwortung übernehmen, ohne Arbeit zu unserem Gott zu machen.

Wir dürfen dienen, ohne damit unsere Identität beweisen zu müssen.

Deine Arbeit kann Zeugnis sein

Vielleicht wirst du an deinem Arbeitsplatz niemals eine Predigt halten.

Vielleicht darfst du dort nicht einmal offen über Glauben sprechen.

Doch trotzdem kann dein Leben etwas von Christus sichtbar machen.

Durch Ehrlichkeit.

Durch Zuverlässigkeit.

Durch Freundlichkeit.

Durch Gerechtigkeit.

Durch die Art, wie du mit schwächeren Menschen umgehst.

Durch die Art, wie du mit Fehlern umgehst.

Durch die Art, wie du arbeitest, wenn niemand zuschaut.

Und manchmal auch dadurch, dass du Nein sagst, wenn etwas nicht mit Christus vereinbar ist.

Im Namen Jesu zu arbeiten bedeutet nicht nur, gute Arbeit zu leisten.

Es bedeutet, Jesus auch in der Art sichtbar werden zu lassen, wie wir arbeiten.

Drei Schritte für heute

1. Übergib Gott deinen heutigen Alltag.
Bevor du mit deinen Aufgaben beginnst, bete kurz: „Herr Jesus, dieser Tag gehört dir. Hilf mir, meine Worte und meine Arbeit so zu gestalten, dass sie zu deinem Namen passen.“

2. Wähle eine unscheinbare Aufgabe und tue sie bewusst gut.
Vielleicht ist es eine E-Mail, das Aufräumen, Kochen, ein Telefonat oder eine Aufgabe, die niemand bemerkt. Tue sie heute sorgfältig — nicht um Anerkennung zu bekommen, sondern aus Treue.

3. Prüfe nicht nur, wie viel du arbeitest, sondern wie du arbeitest.
Frage dich heute: Ist meine Art zu reden, zu handeln und mit Menschen umzugehen mit dem Namen Jesu vereinbar? Wo wäre eine Veränderung nötig?

GEBET

Herr Jesus, ich möchte mein Leben nicht in einen geistlichen und einen gewöhnlichen Bereich teilen. Du bist Herr über alles. Deshalb gebe ich dir heute meine Arbeit, meinen Haushalt, meine Aufgaben, meine Verantwortung und auch die Dinge, die niemand sieht. Hilf mir, mit Ehrlichkeit, Sorgfalt, Freundlichkeit und Dankbarkeit zu handeln. Zeige mir, wo meine Art zu arbeiten nicht zu deinem Namen passt, und verändere mein Herz. Bewahre mich davor, meinen Wert aus Leistung zu ziehen, und ebenso davor, meine Verantwortung gering zu achten. Danke, dass meine Rettung nicht von meiner Arbeit abhängt, sondern von deinem vollbrachten Werk. Lass meinen Alltag zu einem Ort werden, an dem deine Herrschaft sichtbar wird. In deinem Namen, Amen.

„Welche ganz gewöhnliche Aufgabe könntest du heute anders tun, wenn du dir bewusst machst: Auch hier gehöre ich Jesus?“

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