Namen Gottes · Allmacht · El Schaddai

„El Schaddai — wenn deine Möglichkeiten enden, bleibt Gottes Macht“

Frohe Botschaft Andachtskarte „El Schaddai" mit  Sternenhimmel über einem alten Zelt in der Wüste
„Als nun Abram 99 Jahre alt war, erschien ihm der HERR und sprach zu ihm: Ich bin Gott, der Allmächtige. Wandle vor mir und sei untadelig!“ — 1. Mose 17,1 (Schlachter 2000)

Manche Verheißungen werden schwieriger zu glauben, je länger man wartet.

Abram kannte dieses Warten.

Gott hatte ihm Nachkommen versprochen.

Doch die Jahre vergingen.

Sarai blieb kinderlos.

Schließlich versuchten Abram und Sarai, die Verheißung mit eigenen Mitteln zu verwirklichen. Hagar bekam Ismael.

Danach berichtet die Bibel dreizehn Jahre lang von keiner neuen Offenbarung Gottes an Abram.

Dann ist Abram neunundneunzig Jahre alt.

Die menschlichen Möglichkeiten sind kleiner geworden — nicht größer.

Und genau jetzt erscheint Gott ihm und sagt:

„Ich bin der allmächtige Gott.“

Im Hebräischen steht:

El Schaddai.

Bevor Gott Abraham sagt, was er tun soll, erinnert er ihn daran, wer vor ihm steht.

Das ist entscheidend.

Abrahams Hoffnung liegt nicht in seinem Alter.

Nicht in Saras Möglichkeiten.

Nicht in einer menschlichen Strategie.

Sie liegt in Gott.

Wenn menschliche Möglichkeiten kleiner werden

Genesis 17 beginnt an einem Punkt, an dem Gottes Verheißung menschlich immer unwahrscheinlicher geworden ist.

Abram ist neunundneunzig.

Sarai ist unfruchtbar.

Und wenig später lacht Abraham selbst bei dem Gedanken, dass ihm und Sara noch ein Sohn geboren werden könnte.

Die Bibel versteckt diesen Zweifel nicht.

Gerade dort offenbart Gott sich als El Schaddai.

Das bedeutet nicht, dass Gott grundsätzlich immer dann eingreift, wenn unsere Möglichkeiten erschöpft sind.

Aber es bedeutet:

Unsere Grenzen sind keine Grenzen für Gottes Fähigkeit, das zu tun, was er verheißen hat.

Abraham muss nicht Gottes Verheißung möglich machen.

Er muss lernen, dem zu vertrauen, der sie gegeben hat.

El Schaddai — der allmächtige Gott

Die Schlachter 2000 übersetzt El Schaddai mit:

„der allmächtige Gott“.

El ist eine alte semitische Gottesbezeichnung.

Die genaue sprachliche Herkunft von Schaddai ist dagegen nicht abschließend geklärt.

Darum sollten wir vorsichtig sein mit Erklärungen, die den Namen eindeutig aus einem bestimmten hebräischen Wort ableiten wollen.

Im biblischen Gebrauch ist jedoch deutlich:

Schaddai bezeichnet Gott als den Mächtigen, dem menschliche Begrenzungen nicht das letzte Wort diktieren.

Gerade im Buch Genesis begegnet der Name in Zusammenhängen von Verheißung, Fruchtbarkeit, Nachkommenschaft und Segen.

Gott sagt nicht:

„Abraham, deine Möglichkeiten reichen aus.“

Er sagt:

„Ich bin El Schaddai.“

Der Missionar, der lernte, die Verantwortung Gott zu überlassen

Viele Jahrhunderte später stand James Hudson Taylor vor einer Aufgabe, die seine eigenen Möglichkeiten weit überstieg.

Taylor wurde 1832 in England geboren und ging bereits als junger Mann als Missionar nach China.

Mit der Zeit wurde ihm besonders die geistliche Not der Menschen im chinesischen Inland bewusst.

1865 entstand daraus die China Inland Mission.

Taylor betete damals um 24 willige und fähige Mitarbeiter — zwei für jede der damals elf weitgehend unerreichten Provinzen und zwei für die Mongolei.

Er verfügte nicht über die Mittel, die einer solchen Vision menschlich angemessen erschienen.

Doch Taylor kam zu einer wichtigen Erkenntnis:

Wenn Gott wirklich der Auftraggeber war, dann musste nicht Taylor selbst die letzte Verantwortung für das Ergebnis tragen.

Das machte ihn nicht passiv.

Er organisierte.

Er reiste.

Er warb Mitarbeiter.

Er plante.

Er arbeitete bis an seine Grenzen.

Aber seine letzte Zuversicht lag nicht in seinen eigenen Mitteln.

Gottes Versorgung bedeutet nicht ein problemloses Leben

Hudson Taylors Leben darf allerdings nicht romantisiert werden.

Sein Dienst war von tiefem Leid geprägt.

Mehrere seiner Kinder starben jung.

Seine erste Frau Maria starb früh.

Taylor erlebte schwere gesundheitliche Belastungen und Phasen völliger Erschöpfung.

Während des Boxeraufstands um 1900 wurden zahlreiche Mitarbeiter der China Inland Mission und viele chinesische Christen getötet.

Gottes Versorgung bedeutete für Taylor deshalb nicht:

„Alles wird leicht.“

Sie bedeutete:

Gottes Auftrag hängt nicht letztlich an menschlicher Stärke.

Ein Satz, der Hudson Taylor zugeschrieben wird, bringt diese Überzeugung gut auf den Punkt:

„Gottes Werk, auf Gottes Weise getan, wird nicht an Gottes Versorgung Mangel leiden.“

Auch dieser Satz ist keine Garantie für Wohlstand oder ein leidfreies Leben.

Er ist ein Ausdruck von Vertrauen:

Wenn Gott wirklich führt, dürfen wir ihm auch zutrauen, das zu geben, was für seinen Auftrag nötig ist.

„Wandle vor mir“

Nach seiner Selbstoffenbarung sagt Gott zu Abram:

„Wandle vor mir.“

Das hebräische Verb beschreibt ein fortwährendes Leben und Gehen.

Gott ruft Abraham nicht zu einem einzigen außergewöhnlichen Glaubensmoment.

Er ruft ihn zu einem Leben in seiner Gegenwart.

Das ist wichtig.

Glaube besteht nicht nur aus großen Momenten, in denen wir etwas Unmögliches erwarten.

Glaube zeigt sich im täglichen Gehen mit Gott.

Im Warten.

Im Gehorsam.

Im Vertrauen.

Im nächsten Schritt.

„Sei vollkommen“ — bedeutet das fehlerlos?

Dann sagt Gott:

„Sei vollkommen.“

Das hebräische Wort lautet tamim.

Es kann Ganzheit, Unversehrtheit oder Lauterkeit beschreiben.

Gemeint ist hier nicht, dass Abraham ab diesem Moment ohne jeden Fehler leben müsse.

Abrahams weitere Geschichte würde das sofort widerlegen.

Es geht vielmehr um ein ungeteiltes Leben vor Gott.

Ein Herz, das nicht einerseits Gottes Verheißung glaubt und andererseits seine letzte Sicherheit in eigenen Ersatzlösungen sucht.

Die Reihenfolge ist dabei wunderschön:

Zuerst sagt Gott, wer er ist.

Dann ruft er Abraham zum Vertrauen und Gehorsam.

Gottes Anspruch ruht auf Gottes Selbstoffenbarung.

Abraham musste lernen, Gottes Verheißung nicht selbst zu retten

Die Geschichte mit Hagar und Ismael zeigt, wie schwer Warten sein kann.

Abram und Sarai wussten von Gottes Verheißung.

Aber irgendwann versuchten sie, auf menschlichem Weg sicherzustellen, dass sie tatsächlich eintrifft.

Das ist erstaunlich aktuell.

Auch wir können glauben, dass Gott etwas tun möchte — und gleichzeitig beginnen, ihn durch unsere eigenen Methoden zu „unterstützen“.

Wir drängen.

Wir manipulieren.

Wir erzwingen.

Wir laufen Türen ein.

Wir schaffen Ersatzlösungen.

Doch Genesis 17 erinnert uns:

Gott braucht unsere Ungeduld nicht, um seine Verheißung zu erfüllen.

Das bedeutet nicht, dass wir untätig werden.

Es bedeutet, dass wir nicht versuchen müssen, Gott durch ungehorsame Mittel zu helfen.

Glaube bedeutet nicht, die Realität zu leugnen

Paulus greift Abrahams Geschichte in Römer 4 auf.

Dort sagt er nicht, Abraham habe so getan, als wären seine Umstände gar kein Problem.

Im Gegenteil:

Abraham sah die Realität.

Er wusste um sein hohes Alter.

Er wusste um Saras Unfruchtbarkeit.

Doch er stellte Gottes Fähigkeit über seine eigene Unfähigkeit.

Paulus beschreibt ihn als einen Mann, der überzeugt war, dass Gott das, was er verheißen hatte, auch tun konnte.

Das ist ein entscheidender Unterschied.

Biblischer Glaube leugnet nicht die Fakten.

Er weigert sich nur, menschliche Fakten zur Grenze Gottes zu machen.

El Schaddai ist keine Formel für jedes gewünschte Wunder

Hier braucht es eine wichtige Grenze.

Abraham hatte eine konkrete Zusage Gottes.

Gott hatte ihm einen Sohn verheißen.

Darum konnte Abraham darauf vertrauen, dass Gott genau diese Verheißung erfüllen würde.

Wir dürfen daraus nicht die Regel machen:

„Wenn ich nur stark genug glaube, wird jede unmögliche Situation so ausgehen, wie ich es möchte.“

Das verspricht die Bibel nicht.

Gott bleibt allmächtig.

Aber seine Allmacht bedeutet nicht, dass er verpflichtet wäre, jeden unserer Wünsche zu erfüllen.

Darum lautet christlicher Glaube:

Ich traue Gott alles zu — und ich unterstelle meine Wünsche seinem Willen.

Wir vertrauen nicht unserer Vorstellung vom Ausgang.

Wir vertrauen Gott.

Was bedeutet das für dein „Unmögliches“?

Vielleicht gibt es gerade etwas in deinem Leben, bei dem du keine Lösung mehr siehst.

Eine Krankheit.

Eine zerbrochene Beziehung.

Eine finanzielle Situation.

Eine berufliche Sackgasse.

Eine Sehnsucht, die schon lange unerfüllt ist.

Dann bedeutet El Schaddai nicht:

„Gott wird es genau so lösen, wie du es dir vorgestellt hast.“

Aber es bedeutet:

Gott ist nicht so begrenzt wie du.

Er sieht Möglichkeiten, die du nicht siehst.

Er kann Türen öffnen.

Er kann heilen.

Er kann verändern.

Er kann tragen.

Und er kann dir auch dann genug sein, wenn seine Antwort anders ausfällt, als du gehofft hast.

Wie zeigt sich Jesus Christus in dieser Verheißung?

Die Verheißung an Abraham endet nicht bei Isaak.

Das Neue Testament führt sie weiter zu Jesus Christus.

Paulus schreibt in Galater 3, dass die Verheißung letztlich auf Christus zuläuft.

Durch ihn kommt der verheißene Segen zu den Völkern.

Und auch seine Geburt steht unter dem Zeichen menschlicher Unmöglichkeit.

Maria fragt den Engel:

„Wie soll das geschehen?“

Und die Antwort lautet:

„Bei Gott ist kein Ding unmöglich.“

Doch die größte Demonstration göttlicher Macht erscheint dort, wo menschlich überhaupt keine Möglichkeit mehr bleibt:

am Grab.

Jesus ist tot.

Der Stein ist davor.

Die Jünger haben keine Lösung.

Und Gott weckt ihn von den Toten auf.

Die Auferstehung ist die endgültige Erinnerung daran, dass selbst der Tod Gottes Macht nicht begrenzen kann.

Seine Kraft zeigt sich auch in Schwachheit

Doch das Neue Testament zeigt noch eine zweite Seite.

Manchmal zeigt Gott seine Macht nicht dadurch, dass er eine Schwachheit sofort wegnimmt.

Paulus bat darum, dass sein „Dorn im Fleisch“ von ihm genommen werde.

Die Antwort Gottes lautete:

„Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft wird in Schwachheit vollkommen.“

Das schützt uns vor einem falschen Verständnis von El Schaddai.

Der allmächtige Gott beweist seine Macht nicht nur durch Wunder, die unsere Situation verändern.

Er beweist sie manchmal auch durch Gnade, die uns mitten in einer unveränderten Situation trägt.

Darum können wir sagen:

Gott kann verändern.

Gott kann öffnen.

Gott kann heilen.

Und Gott kann tragen.

In allen Fällen bleibt er El Schaddai.

Wenn Gott deinen Namen neu spricht

In Genesis 17 verändert Gott auch Abrams Namen.

Aus Abram wird Abraham.

Aus Sarai wird Sara.

Die neuen Namen stehen in Verbindung mit der Verheißung, die Gott über ihr Leben ausspricht.

Doch auch hier sollten wir die Anwendung nicht missverstehen.

Gott verspricht nicht jedem Menschen einen buchstäblich neuen Namen oder eine spektakuläre neue Identität.

Aber die Geschichte zeigt etwas Grundsätzliches:

Gottes Verheißung definiert Abrahams Zukunft stärker als seine gegenwärtigen Grenzen.

Abraham sieht einen alten Mann.

Gott spricht von einem Vater vieler Völker.

Das letzte Wort über Abraham hat nicht seine Biologie.

Es hat Gott.

Drei Schritte für heute

1. Benenne deine Grenze.
Wo bist du mit deinen eigenen Möglichkeiten am Ende? Benenne die Situation ehrlich vor Gott. Du musst sie nicht kleiner machen, um glauben zu können.

2. Frage nach Gottes Verheißung, nicht nur nach deinem Wunsch.
Welche konkrete Zusage der Schrift gilt in deiner Situation wirklich? Halte dich an das, was Gott tatsächlich versprochen hat, statt ihm eine eigene Erwartung in den Mund zu legen.

3. Lass die Kontrolle los, nicht den Gehorsam.
Vielleicht kannst du das Ergebnis nicht herstellen. Aber du kannst den nächsten treuen Schritt gehen. Frage Gott: „Was ist heute mein Teil — und was muss ich dir überlassen?“

GEBET

El Schaddai, du bist der allmächtige Gott. Meine Grenzen sind nicht deine Grenzen, und nichts, was du wirklich verheißen hast, scheitert an menschlicher Unmöglichkeit. Ich bringe dir heute das, was ich nicht lösen, herstellen oder kontrollieren kann. Vergib mir, wo ich versucht habe, dir durch eigene Wege nachzuhelfen oder meine Wünsche mit deinen Verheißungen verwechselt habe. Lehre mich, dir zu vertrauen, ohne die Realität zu leugnen. Zeige mir, was mein nächster gehorsamer Schritt ist, und schenke mir Frieden für das, was allein in deiner Hand liegt. Danke, dass deine Macht größer ist als meine Schwachheit und dass deine Gnade auch dann genügt, wenn du meine Situation nicht sofort veränderst. Vor allem danke ich dir für Jesus Christus, den du von den Toten auferweckt hast. In ihm sehe ich: Selbst der Tod setzt deiner Macht keine Grenze. In Jesu Namen, Amen.

„Wo bist du gerade am Ende deiner eigenen Möglichkeiten — und was würde es bedeuten, dort nicht einem gewünschten Ausgang, sondern El Schaddai selbst zu vertrauen?“

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